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Erster Kreuzzug
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Der Erste Kreuzzug war ein christlicher Kriegszug zur Eroberung PalĂ€stinas, zu dem Papst Urban II. im Jahre 1095 aufgerufen hatte. Das ursprĂŒngliche Ziel war die UnterstĂŒtzung des Byzantinischen Reiches gegen Seldschuken. Der Kreuzzug begann 1096 zum einen als bewaffnete Pilgerfahrt von Laien, zum anderen als Zug mehrerer Ritterheere aus Frankreich, Deutschland und Italien. Er endete 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch ein Kreuzritterheer.

Contents

‱ Verlauf
‱ Folgen
‱ Quellen
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Ursachen und Anlass

PalĂ€stina war Teil des Oströmischen Reichs, bis es 637 von den Arabern eingenommen wurde (siehe islamische Expansion). Papst Gregor VII. plante, sich im Jahr 1074 an die Spitze eines Kriegszuges zur Eroberung Jerusalems zu setzen, um die WirkungsstĂ€tten Christi wieder dem christlichen Abendland zurĂŒckzugewinnen. Die Wirren des Investiturstreits verhinderten die Umsetzung dieses Vorhabens.

Der byzantinische (oströmische) Kaiser Alexios I. Komnenos richtete wenige Jahre spĂ€ter Hilfegesuche an das lateinische Europa, da tĂŒrkische Seldschuken sein Reich immer stĂ€rker bedrohten. Sie eroberten nach der gegen Byzanz gewonnenen Schlacht von Manzikert im Jahre 1071 Anatolien und Antiochia. Das von inneren und Ă€ußeren Krisen geschĂŒttelte Byzanz sah keine andere Möglichkeit einer RĂŒckeroberung. Um westeuropĂ€ische Heere und die Kirche zu mobilisieren, ĂŒbertrieben und dramatisierten byzantinische Gesandte in Berichten die Entweihung der heiligen StĂ€tten und die Lage der im Heiligen Land lebenden Christen. Es gab auch abseits der byzantinischen Propaganda christliche Berichte ĂŒber GrĂ€ueltaten der islamischen Machthaber gegen die christliche Bevölkerung des Heiligen Landes und die VerwĂŒstung christlicher StĂ€tten, beispielsweise der Grabeskirche 1009 in Jerusalem. Auch der aus Aleppo stammende muslimische Chronist al-Azimi erwĂ€hnte muslimische Übergriffe auf Pilger. Dies verwehrte den Zugang zu den heiligen StĂ€tten.cite-ref-4[4] Zwar wurden wĂ€hrend der abbasidischen und spĂ€ter der fatimidischen Herrschaft ĂŒber PalĂ€stina ansĂ€ssige Christen und Pilger aus Europa weiter geduldet, doch um 1073 verloren die Fatimiden Jerusalem an die weniger toleranten Seldschuken. Damit begannen Ausschreitungen gegen die christliche Bevölkerung, nachdem das Land schon durch die Kriege in Mitleidenschaft gezogen war. 1098 entriss Wesir al-Afdal Schahanschah den Ortoqiden, die als Statthalter eingesetzt waren, wieder die Kontrolle ĂŒber das Land. Der spĂ€tere Kreuzzugsteilnehmer und Prediger Peter der Einsiedler war auf einer frĂŒheren Pilgerfahrt nach Jerusalem von TĂŒrken misshandelt und zur Umkehr gezwungen worden.cite-ref-5[5] Gleichzeitig bot Alexios I. eine Vereinigung der römisch-katholischen mit der orthodoxen Ostkirche an.

Vom 18. bis 28. November 1095 fand unter Vorsitz von Papst Urban II. eine Synode in der Kathedrale der französischen Stadt Clermont statt. Neben 182 KardinĂ€len, Bischöfen und Äbten aus Italien, Spanien und Frankreich war auch eine byzantinische Gesandtschaft angereist. Im Vorfeld wurde verbreitet, dass der Papst ein Ereignis von großer Bedeutung fĂŒr die Christenheit verkĂŒnde. Chronisten ĂŒberliefern, Tausende seien zusammengeströmt, so dass die VerkĂŒndung nicht in der Kathedrale, sondern vor dem Osttor der Stadt stattfand.

Als der Papst am 27. November 1095 vor die erwartungsvolle Menge trat, hielt er eine stark dramatisierende Rede von den Leiden der Christenheit im Osten und der Notwendigkeit der Befreiung der heiligen StĂ€tten, die Chronisten zufolge, die abweichende Fassungen vom Wortlaut ĂŒberlieferten, von der Menge begeistert aufgenommen wurde. Dies ist jedoch zu bezweifeln, sprach Urban doch in Latein, was wohl nur die wenigsten verstanden hĂ€tten.cite-ref-6[6] Angeblich wurde bereits zu diesem Zeitpunkt das spĂ€tere Motto der KreuzzĂŒge – Deus lo vult! („Gott will es!“) – geprĂ€gt. Adhemar de Monteil, Bischof von Le Puy, der spĂ€ter zum FĂŒhrer des Zugs ernannt wurde, kniete in einem zuvor besprochenen Auftritt unmittelbar nach dem Ende der Rede vor Urban II. nieder und bat als Erster um die Erlaubnis, ziehen zu dĂŒrfen. Viele andere sollen sich ihm angeschlossen haben. Danach hielt Papst Urban II. noch in Tours und Rouen Synoden ab, die den Aufruf verbreiteten. Ein Übriges taten ĂŒber das Land gesandte Wanderprediger, die dafĂŒr sorgten, dass viele einfache Menschen, Abenteurer, Verbrecher und Bauern in den Krieg zogen. Den Kampfwilligen wurde Ablass fĂŒr ihre SĂŒnden zugesagt. Unter dem Motto Gott will es! wurde allen, die dem Ruf folgten, nie verwelkender Ruhm im Himmelreich versprochen.

Hinter dem sorgfĂ€ltig und langfristig geplanten pĂ€pstlichen Aufruf zum Kreuzzug verbarg sich mehr als nur die angestrebte RĂŒckeroberung des Heiligen Landes und eine Befreiung dort unterdrĂŒckter und teilweise unter GrĂ€ueltaten durch Muslime leidender Christen. Er war ein geschickt initiiertes machtpolitisches Instrument im zersplitterten und von MachtkĂ€mpfen erschĂŒtterten Europa. Einerseits strebte Urban II. die Wiedervereinigung mit der byzantinisch gefĂŒhrten Ostkirche an, andererseits konnte er die Kirche als zielgebende Ordnungsmacht in Mitteleuropa etablieren. Dieses war nach dem Ende des Karolinger-Reiches in sich befehdende adlige Einflussgebiete zerfallen, wobei hĂ€ufig auch Kirchen und Klöster geplĂŒndert wurden.

Die Gelegenheit fĂŒr diesen Aufruf war gĂŒnstig. Das 11. Jahrhundert war geprĂ€gt von starker ReligiositĂ€t in der Bevölkerung und Angst vor dem drohenden Ende der Welt. Wallfahrten und PilgerzĂŒge zum heiligen Grab, als Möglichkeit der Buße und fĂŒr den SĂŒndenablass, erlebten einen großen Aufschwung, wobei auch als starker Antrieb mitspielte, die heiligsten christlichen StĂ€tten zurĂŒckzuerobern. Zudem erbten vor allem im niederen Adel vieler Regionen Europas viele Söhne nichts oder nur sehr geringe Besitzungen. Diese hatten großes Interesse an einem Kriegszug zum Erwerb von SchĂ€tzen und LĂ€ndereien.

Der Aufruf zum Kreuzzug war zumindest teilweise von Erfolg gekrönt. Urban II. einte erstmals die lange in Streitereien untereinander verstrickten französischen Adligen und gab ihnen mit dem Ziel eines gerechten Kampfes im Dienste der christlichen Sache eine ideelle Grundlage, die zugleich den Suprematieanspruch seines Amtes stĂ€rkte: Der vor dem Aufruf geforderte Gottesfrieden, der die Begrenzung der noch ausstehenden Fehden zwischen den Adligen brachte, bestĂ€rkte zugleich die AutoritĂ€t der hier eingreifenden Kirche und stellte ein wesentliches Ereignis in der Entwicklung der machtpolitischen Rolle der Kirche und des Papsttums in der mittelalterlichen Geschichte Europas dar. Die angestrebte Vereinigung mit der Ostkirche blieb indes aufgrund zu großer machtpolitischer Differenzen aus.

Verlauf

Volkskreuzzug

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Hauptartikel

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Volkskreuzzug

Durch die Kreuzzugspredigt des Papstes veranlasst, brach im FrĂŒhjahr 1096 eine unorganisierte Volksmasse in Richtung PalĂ€stina auf. Dieses Kreuzfahrerheer bestand in erster Linie aus einfachen Menschen, Bauern und ihren Familien, weshalb man auch vom Volkskreuzzug spricht. Allerdings waren auch niedriger Adel und einzelne Ritter unter den Kreuzfahrern. GefĂŒhrt wurde der Zug von Predigern wie Peter von Amiens. Seine ersten Opfer fand dieser voreilige Kreuzzug bereits in Ostfrankreich und im Rheinland (Köln, Mainz, Worms), wo es zu blutigen Judenverfolgungen kam. Die Bezeichnung Gezerot Tatnu, hebrĂ€isch Ś’Ś–Ś™ŚšŚ•ŚȘ ŚȘŚȘŚ â€œŚ•, geht auf Salomo bar Simon zurĂŒck und wurde von Elieser ben Nathan rezipiert.cite-ref-7[7] Chronisten heben den selbst fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse besonders grausamen Charakter dieser Pogrome hervor. Auch auf dem Balkan, bei Belgrad und NiĆĄ, kam es zu Ausschreitungen und PlĂŒnderungen, wobei die Kreuzfahrer erstmals auf stĂ€rkeren Widerstand stießen. Dabei folgten die Kreuzritter der Via Militaris in Richtung SĂŒdosten. Nachdem die Kreuzfahrer im August Konstantinopel erreicht hatten, ließ der um seine Hauptstadt besorgte Kaiser Alexios I. sie so schnell wie möglich ĂŒber den Bosporus befördern. In Kleinasien trafen sie im Oktober 1096 bei NicĂ€a auf Truppen der Rum-Seldschuken, die große Teile des undisziplinierten Kreuzheeres vernichteten. Die Überlebenden, darunter auch Peter von Amiens, kehrten nach Konstantinopel zurĂŒck, um auf die nachfolgenden Kreuzfahrer zu warten.

Aufstellung und Aufbruch des Kreuzritterheeres

Im selben Jahr formierte sich ein deutlich besser organisiertes und fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse sehr großes Kreuzfahrerheer, das in erster Linie aus Franzosen, französischen und sĂŒditalienischen Normannen, Flamen und Lothringern bestand. AnfĂŒhrer waren Robert von der Normandie, Gottfried von Bouillon, Bohemund von Tarent, Raimund IV. von Toulouse, Balduin von Boulogne, Robert von Flandern, Hugo von Vermandois und weitere Angehörige des französischen und normannischen Adels. PĂ€pstlicher Kreuzzugslegat war Adhemar de Monteil, Bischof von Le Puy. Man konnte sich nicht auf einen Oberbefehlshaber einigen, was im Verlaufe des Kreuzzuges zu diversen Konflikten fĂŒhren sollte. Der deutsche König Heinrich IV. und der französische König Philipp I. nahmen nicht an dem Ersten Kreuzzug teil, da damals beide mit dem Kirchenbann belegt waren.

Das Kreuzritterheer brach in mehreren ZĂŒgen auf und vereinigte sich in Konstantinopel, wo die ersten von ihnen im November 1096, die letzten im April 1097 eintrafen. Nach neueren SchĂ€tzungen belief sich die GrĂ¶ĂŸe des Heeres auf rund 7000 Ritter und adlige Herren sowie ein 22.000 Mann starkes Fußvolk. Einschließlich Unbewaffneter umfasste das Gesamtheer rund 50.000 bis 60.000 Menschen. Die Anzahl der Pferde und Saumtiere wird auf 50.000 geschĂ€tzt.cite-ref-8[8] Kaiser Alexios I. brachte den Kreuzfahrern großes Misstrauen entgegen, da unter ihnen viele sĂŒditalienische Normannen waren – diese hatten diverse KriegszĂŒge gegen das Byzantinische Reich unternommen. Zudem befĂŒrchtete Alexios, dass die Kreuzritter ehemals byzantinisches Territorium fĂŒr sich beanspruchen wĂŒrden. Deshalb brachte er die AnfĂŒhrer des Kreuzzuges dazu, ihm den Lehnseid zu schwören, damit alle Gebiete, die sie von den Muslimen erobern sollten, unter seine Oberhoheit geraten. Alexios ließ die Teilheere der Kreuzfahrer schnell ĂŒber den Bosporus nach Kleinasien verschiffen, wo sie auf die anderen warteten.

Zug durch Kleinasien

Das vereinte Heer setzte nun den Marsch durch Kleinasien fort, wo es schnell zu KĂ€mpfen mit den Rum-Seldschuken kam. Ab Mai belagerten sie deren Hauptstadt NicĂ€a. Sultan Kilidsch Arslan I. befand sich zu dieser Zeit auf einem Feldzug gegen die Danischmenden in Zentralanatolien und hatte seine Schatzkammer und seine Familie zurĂŒckgelassen, da er die StĂ€rke dieser neuen Kreuzfahrer unterschĂ€tzte. Am 21. Mai schlugen sie ein zu Hilfe geeiltes rum-seldschukisches Entsatzheer unter Kilidsch Arslan I. WĂ€hrend die Kreuzritter die Stadt belagerten, traf eine kleine Abteilung der Byzantiner ein und verstĂ€ndigte sich mit den Einwohnern NicĂ€as. Am 19. Juni ergab sich die Stadt den Byzantinern. Dadurch entging den Kreuzfahrern zu ihrer VerĂ€rgerung die Beute einer PlĂŒnderung. Ersatzweise erhielten sie reiche Geschenke von Kaiser Alexios.cite-ref-9[9] Auf dem Weitermarsch trafen die Kreuzfahrer am 1. Juli auf das Heer der Rum-Seldschuken unter Kilidsch Arslan I. und schlugen es in der Schlacht von DorylĂ€um entscheidend. Damit war der Weg durch Kleinasien frei.

In Kilikien eskalierten die Spannungen unter den AnfĂŒhrern des Kreuzzuges: Balduin von Boulogne und seine Gefolgsleute verließen das Heer und begaben sich nach Edessa. Dort errichtete Balduin im Jahre 1098 unter Bruch des Lehnseides gegenĂŒber Alexios die Grafschaft Edessa, den ersten Kreuzfahrerstaat.

Kampf um Antiochia

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Hauptartikel

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Belagerung von Antiochia

Das restliche Kreuzfahrerheer, das ebenfalls kleinasiatische StĂ€dte erobert und fĂŒr sich beansprucht hatte, zog sĂŒdwĂ€rts nach Syrien. Ab dem Oktober 1097 begann es mit der Belagerung von Antiochia. Die Nahrungsversorgung wĂ€hrend der siebenmonatigen Belagerung war völlig unzureichend, viele KreuzzĂŒgler verhungerten oder desertierten.

Die Stadt wurde erst im Juni 1098 durch Verrat eingenommen und alle nicht-christlichen Einwohner umgebracht. Die Kreuzfahrer wurden nun selbst belagert, da ein vereintes Entsatzheer der Emire von Mossul, Aleppo und Damaskus mit einer StĂ€rke von 200.000 Mann nur fĂŒnf Tage spĂ€ter eintraf.cite-ref-10[10] Auf Seiten der Kreuzfahrer befanden sich zu diesem Zeitpunkt (inklusive NichtkĂ€mpfender) lediglich 20.000 Personen.cite-ref-11[11] Erschwerend kam hinzu, dass es in ganz Antiochia als Folge der Belagerung keine Nahrungsmittel mehr gab. In dieser verzweifelten Situation riefen sie eine dreiwöchige Fastenzeit aus. WĂ€hrenddessen verbreitete Bohemund von Tarent das GerĂŒcht um die Heilige Lanze. Ein Mönch namens Peter BartholomĂ€us soll eine Vision gehabt haben, in der ihm der heilige Andreas erschien und ihm den wahren Aufenthaltsort der Heiligen Lanze zeigte. ZunĂ€chst wurde diese Aussage angezweifelt. Als auch ein Pfarrer eine ebensolche Vision hatte, waren die Zweifel ĂŒberwunden. Bei Grabungen stieß man tatsĂ€chlich auf eine Lanze, die als Heilige Lanze betrachtet wurde. Durch den Fund motiviert, stellten sich die Kreuzfahrer dem muslimischen Entsatzheer zum Kampf. Die Belagerer, in deren Reihen es zu inneren Streitigkeiten gekommen war, wurden trotz ihrer massiven Übermacht nach kurzem Kampf besiegt und in die Flucht geschlagen. Bohemund von Tarent ernannte sich nun zum FĂŒrsten von Antiochia, womit er einen weiteren Kreuzfahrerstaat grĂŒndete und dabei ebenfalls den Lehnseid gegenĂŒber dem byzantinischen Kaiser brach. Er beendete seine Teilnahme am Kreuzzug vorzeitig und ging dazu ĂŒber, die Herrschaft in seinem FĂŒrstentum auszubauen. An seiner Stelle zog sein Neffe Tankred weiter Richtung Jerusalem.

Nach gelungener Verteidigung der Stadt besserte sich die Nahrungsversorgung nicht. Hinzu kamen Seuchen unter den ausgehungerten Kreuzfahrern, denen auch Adhemar de Monteil erlag. So plĂŒnderten die Kreuzfahrer auf der Suche nach Nahrung das weitere Umland. Dabei kam es im Dezember 1098 bei der Eroberung der Stadt Maarat an-Numan zu Kannibalismus; Radulf von Caen berichtete:

„In Maara kochten unsere Leute die erwachsenen Heiden in Kesseln, zogen die Kinder auf Spieße und aßen sie geröstet.“

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Radulf von Caen:

Gesta Tancredi In Expeditione Hierosolymitana.

Die Berichte ĂŒber Maara fanden in der arabischen Welt, als Beispiel fĂŒr die Grausamkeit der als barbarisch empfundenen Invasoren, weite Verbreitung. Noch heute ist in arabischen Volksliedern von „Menschenfressern“ die Rede, wenn Franken gemeint sind.cite-ref-13[13]

Zug durch PalÀstina

WĂ€hrend Adhemar de Monteil verstorben war und Bohemund von Tarent in Antiochia blieb, fĂŒhrte nun Raimund von Toulouse den Kreuzzug an. Am 13. Januar 1099 brach er mit dem verbliebenen Kreuzfahrerheer, das noch rund 14.000 kampffĂ€hige MĂ€nner umfasste, darunter rund 1500 Ritter, in Richtung Jerusalem auf. Die meisten StĂ€dte, an denen sie vorĂŒberkamen, boten ihnen Nahrungsmittel an und ließen sie schnell durchziehen. Raimund beabsichtigte wohl, sich als Gegengewicht zu Bohemund in Antiochia ein Herrschaftsgebiet um Tripolis zu errichten. So ließ er im Februar 1099 die Burg Arqa nahe Tripolis belagern. Auf DrĂ€ngen vieler Kreuzfahrer, die ungeduldig waren, Jerusalem zu erreichen, brach man die Belagerung am 13. Mai erfolglos ab und zog an der MittelmeerkĂŒste sĂŒdwĂ€rts. Dabei brachten die Kreuzritter mehrere HafenstĂ€dte, so auch Jaffa, unter ihre Kontrolle, von wo sie ĂŒber Ramla ins Landesinnere weiterzogen.

Eroberung Jerusalems

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Hauptartikel

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Belagerung von Jerusalem (1099)

Anfang Juni 1099 erreichten die Kreuzfahrer Jerusalem, das sich seit 1098 unter der Herrschaft der Ă€gyptischen Fatimiden befand. Hier sahen sie sich mit Nahrungs- und vor allem Wassermangel konfrontiert. Die große Hitze und Seuchen demoralisierten die Angreifer. Hinzu kamen regelmĂ€ĂŸige AusfĂ€lle der Verteidiger, die auch alle Christen aus Jerusalem vertrieben, die nun mit den Belagerern in der lebensfeindlichen Landschaft vor den Stadtmauern ausharren mussten. Die Verteidiger hatten alle Brunnen vor der Stadt zuschĂŒtten und sĂ€mtliche BĂ€ume fĂ€llen lassen, um die Belagerung zu erschweren. Aus einer entfernten Quelle herangeschafftes Wasser wies eine schlechte QualitĂ€t auf. Viele Kreuzfahrer erlagen den Strapazen oder verließen das Lager, um allein in die Heimat zurĂŒckzukehren.

Die Stadtmauern waren ohne Belagerungsmaschinen nicht zu ĂŒberwinden, so dass ein Angriff sinnlos erschien. Dennoch entschieden sich die AnfĂŒhrer des Kreuzfahrerheers, die Stadt bereits am 13. Juni 1099 anzugreifen. Der Angriff ohne Hilfsmittel scheiterte trotz unermĂŒdlichen Anrennens und der vorĂŒbergehenden Eroberung der nördlichen Befestigungsanlagen.

Nach einiger Suche wurde Bauholz aus dem entfernten Samaria beschafft. Damit erbaute man BelagerungstĂŒrme, Rammen und Katapulte, mit deren Hilfe die Kreuzfahrer nach einem fĂŒnfwöchigen, verlustreichen Kampf am 15. Juli 1099 die Stadt einnahmen.

Christliche und muslimische Chronisten berichten von einem grausamen Massaker, dem neben der muslimischen und jĂŒdischen Bevölkerung auch die in Jerusalem verbliebenen koptischen und syrischen Christen zum Opfer fielen.cite-ref-14[14] Muslimische Quellen gingen von 70.000 Toten aus, christliche SchĂ€tzungen von 10.000 Toten. Die hohen Zahlen wurden von der jĂŒngeren Forschung widerlegt. Auf Basis einer hebrĂ€ischen Quelle wird nunmehr von 3000 Opfern bei der Einnahme Jerusalems ausgegangen, bei der auch viele Gefangene gemacht wurden. Damit liegt nahe, dass im Mittelalter die Vorstellung von der BrutalitĂ€t der Kreuzfahrer auf beiden Seiten des Konflikts ein Gegenstand von Übertreibung gewesen sein mag.cite-ref-15[15]

Gottfried von Bouillon lehnte es ab, sich zum König von Jerusalem krönen zu lassen, weil er sich nicht in der Stadt zum König krönen lassen wollte, in der Jesus Christus die Dornenkrone getragen hatte. Er wurde daher zum advocatus sancti sepulchri („BeschĂŒtzer des Heiligen Grabes“) ernannt und Regent des neu errichteten Königreichs Jerusalem. Unter seiner FĂŒhrung wurde ein Fatimiden-Heer in der Schlacht von Askalon geschlagen. Damit endete der erste Kreuzzug. Als Gottfried bereits im Jahre 1100 verstarb, nahm sein Bruder Balduin von Boulogne den Titel des Königs von Jerusalem an und ĂŒberließ die Grafschaft Edessa seinem Vetter Balduin von Bourcq. Raimund IV. von Toulouse errichtete im Jahre 1109 an der syrischen KĂŒste die Grafschaft Tripolis, den vierten Kreuzfahrerstaat.

Folgen

Der Erste Kreuzzug fĂŒhrte zur Errichtung mehrerer Kreuzfahrerstaaten, die sich gegenseitig durch Streitigkeiten schwĂ€chten, wĂ€hrend sich die zuvor uneinigen Muslime zusammenschlossen. Da die Kreuzfahrer mehrere KĂŒstenstĂ€dte des östlichen Mittelmeeres eroberten, erlebte der Orienthandel einen gewaltigen Aufschwung, von dem vor allem italienische HafenstĂ€dte wie Genua und Venedig profitierten. Der Kontakt mit der byzantinischen und der arabischen Welt fĂŒhrte zu einer kulturellen Weiterentwicklung des Abendlandes. Der wiederholte Vertrauensbruch der AnfĂŒhrer der Kreuzfahrer gegenĂŒber dem byzantinischen Kaiser legte den Grundstein fĂŒr weitere Konflikte, zudem sollte der Kreuzzug die weiteren Auseinandersetzungen mit der islamischen Welt prĂ€gen. Der Beginn der KreuzzĂŒge leitete außerdem die allmĂ€hliche Herausbildung gemeinsamer ritterlicher Ideale in Westeuropa ein, die stĂ€rker als zuvor von christlichen Vorstellungen geprĂ€gt waren.

Danach folgte der Kreuzzug von 1101.

Nach Meinung des libanesisch-französischen Journalisten Amin Maalouf haben insbesondere die VorfĂ€lle bei der Eroberung der Stadt Ma’arrat al-Numan (nahe Antiochia) „auch mit einem Abstand von fast tausend Jahren, ein nachhaltiges Trauma im kollektiven GedĂ€chtnis der muslimischen Welt hinterlassen. Die Fassungslosigkeit und das Entsetzen einer hochzivilisierten Gesellschaft angesichts der ‚barbarischen Invasoren‘ aus dem Abendland, die auch vor kannibalistischen Exzessen nicht zurĂŒckschreckten, spiegele sich in nahezu allen arabischen Chroniken und Berichten aus der Zeit zwischen 1096 und 1291 wider.“cite-ref-16[16]

Dem widerspricht der Historiker Thomas Asbridge. So spielten die KreuzzĂŒge in der muslimischen Welt jahrhundertelang keine Rolle. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kamen erste Anzeichen von Interesse daran auf. Auch wurden die Ereignisse zunĂ€chst nicht religiös, sondern als Krieg gegen die Franken (Ifranji) gedeutet. Erst um 1865 wurde in Übersetzungen französischer GeschichtsbĂŒcher erstmals der Begriff al-hurub al-Salabiyya (die „Kreuz-Kriege“) verwendet. Danach stieg das Interesse der muslimischen Welt an den KreuzzĂŒgen langsam an. Nach Asbridge markierte erst die GrĂŒndung Israels im Jahr 1948 den Umschlagpunkt zur intensiven BeschĂ€ftigung mit den KreuzzĂŒgen.cite-ref-17[17] In der Folge kam es auch verstĂ€rkt zur Instrumentalisierung der KreuzzĂŒge und einzelner islamischer Persönlichkeiten, insbesondere Saladins, durch nahöstliche Despoten wie Hafiz al-Assad und Saddam Hussein.

Quellen

‱ Fulcher von Chartres: Historia Hierosolymitana. Chronik, ca. 1100–1127. Historisch-kritische Ausgabe: Heinrich Hagenmeyer (Hrsg.): Fulcheri Carnotensis: Historia Hierosolymitana. (1095–1127). Mit ErlĂ€uterungen und einem Anhange, Heidelberg 1913.
‱ Radulf von Caen: Gesta Tancredi In Expeditione Hierosolymitana. Um 1112.
‱ Albert von Aachen: Historia Hierosolymitanae Expeditionis. Um 1101.
‱ Anonymus: Gesta Francorum et aliorum hierosolimitanorum. 1099–1101. Historisch-kritische Ausgabe: Heinrich Hagenmeyer (Hrsg.): Anonymi Gesta Francorumet aliorum Hierosolymitanorum, Heidelberg 1890.
‱ Eva Haverkamp (Hrsg.): HebrĂ€ische Berichte ĂŒber die Judenverfolgung wĂ€hrend des ersten Kreuzzugs, Hannover 2005, Nachdruck Wiesbaden 2021 (Monumenta Germaniae Historica).

Literatur

‱ Nikolas Jaspert: Die KreuzzĂŒge, 6. Auflage. Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-25928-1.
‱ Jay Rubenstein: Armies of Heaven. The First Crusade and the Quest for Apocalypse, Basic Books, New York 2011, ISBN 978-0-465-01929-8.
‱ Thomas Asbridge: Die KreuzzĂŒge, aus dem Englischen von Susanne Held. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-608-94648-2.
‱ Christopher Tyerman: God’s war. A new history of the crusades, Penguin Verlag, London 2007, ISBN 978-0-14-026980-2.
‱ Hans Eberhard Mayer: Geschichte der KreuzzĂŒge. 10. Auflage. Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018679-5.
‱ Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die KreuzzĂŒge aus Sicht der Araber, Kreuzlingen 2001, ISBN 3-89631-420-3 (populĂ€rwissenschaftlich).
‱ Joshua Prawer: The Crusaders' Kingdom: European Colonialism in the Middle Ages. Phoenix, 2001, ISBN 978-1-84212-224-2 (englisch).
‱ Jonathan P. Phillips (Hrsg.): The First Crusade: Origins and Impact, Manchester University, Manchester 1997, ISBN 0-7190-4985-7.
‱ Guy Lobrichon: Die Eroberung Jerusalems im Jahre 1099, Stuttgart 1998, ISBN 3-7995-0093-6.
‱ Jean Flori: Pierre l’Ermite et la premiùre croisade, Fayard, Paris 1999, ISBN 2-213-60355-3.
‱ John France: Victory in the East: A Military History of the First Crusade, Cambridge 1994, ISBN 0-521-41969-7.

Weblinks

Commons

: Erster Kreuzzug

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Quellentexte zum ersten Kreuzzug bei manfredhiebl.de
‱ Hans Conrad Zander: Stichtag 27. November 1095: Papst Urban II. ruft zum ersten Kreuzzug auf NDR ZeitZeichen vom 27. November 2010. VerfĂŒgbar bis 31. Dezember 2099 (Podcast)

Einzelbelege

cite-note-11. Rodney Stark: Gottes Krieger. Die KreuzzĂŒge in neuem Licht. 3. Auflage. Berlin 2015, S. 196.
cite-note-22. Vgl. Stark 2015, S. 225.
cite-note-33. Stark 2015, S. 197.
cite-note-44. ↑ al-Azimi: La chronique abrĂ©gĂ©e d’al-'AzĂźmĂź, annĂ©es 518–538 / 1124–1144. In: Revue des Études Islamiques. 1991, S. 110.
cite-note-55. ↑ Steven Runciman: Geschichte der KreuzzĂŒge. Beck, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-406-39960-6, S. 111.
cite-note-66. ↑ Georg Strack: The Sermon of Urban II in Clermont and the Tradition of Papal Oratory. In: Medieval Sermon Studies. Band 56, 2012, S. 30–45, hier S. 35.
cite-note-77. ↑ Quntres gezerot tatnu. In: Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters. Bayerische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 11. Dezember 2022.
cite-note-88. ↑ Stephan Quensel: Ketzer, KreuzzĂŒge, Inquisition: Die Vernichtung der Katharer. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-15137-9, S. 60.
cite-note-99. ↑ Hans Eberhard Mayer: Geschichte der KreuzzĂŒge. 5. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005744-8, S. 55 f.
cite-note-1010. ↑ Edward Gibbon: The History of the Decline and Fall of the Roman Empire. Band 2, S. 337.
cite-note-1111. ↑ Thomas S. Asbridge: Die KreuzzĂŒge. 7. Auflage. Klett-Cotta, 2016, S. 94.
cite-note-124. Zitiert bei Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die KreuzzĂŒge aus der Sicht der Araber. MĂŒnchen 1996, S. 53.
cite-note-1313. ↑ Vgl. Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die KreuzzĂŒge aus der Sicht der Araber. MĂŒnchen 1996, S. 52–55.
cite-note-1414. ↑ Gerd Althoff: Papst Urban II. und das Massaker von Jerusalem. Zur Legitimation der Gewalt gegen ,UnglĂ€ubige‘. In: Regina Grundmann, Assaad Elias Kattan (Hrsg.): Jenseits der Tradition? Tradition und Traditionskritik in Judentum, Christentum und Islam. De Gruyter, Berlin/MĂŒnchen/Boston 2015, S. 131–132 (degruyter.com).
cite-note-1515. ↑ Thomas Asbridge: Die KreuzzĂŒge. 7. Auflage. Klett-Cotta, 2016, ISBN 978-3-608-94921-6, S. 117 (google.at).
cite-note-1616. ↑ Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die KreuzzĂŒge aus Sicht der Araber. Schutzumschlag der Ausgabe des Diedrichs Verlag MĂŒnchen 1996, ISBN 3-424-01250-5.
cite-note-1717. ↑ Thomas Asbridge: Die KreuzzĂŒge. 7. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-94921-6, S. 723.